Golf-Tour in der Normandie


„Im Süden Frankreichs haben die Menschen zwar das schönere Wetter, im Norden aber haben sie die wärmeren Herzen“, sagt eine normannische Redewendung.

Golf bedeutet in der Normandie nicht nur Golfspielen, hier ist es mehr. Man nutzt den Aufenthalt, um die besten Seiten französischer Lebenskunst zu genießen. Essen und Trinken, Kultur und Kunst, Mode und die kaum zu überbietende Gastfreundschaft. Die Normandie ist recht groß. Es gibt in dieser Region etwa 40 Golfanlagen. Wir waren in der Gegend von Dieppe und Rouen und haben vier ganz besonders schöne Golfplätze kennengelernt. Sie liegen in Dieppe, in Saint-Saens, in Rouen und in Etretat.

Am ersten Tag waren wir im  Golf Club Dieppe. Ein ganz außergewöhnlicher Platz. Faszinierende Fernsichten in die Weite der Normandie wechseln mit herrlichen Ausblicken auf die Steilküsten und aufs Meer. Bei schönem Wetter kann man bis nach England sehen. Der Platz ist recht hügelig und entsprechend schwer. Einige Bahnen müssen taktisch raffiniert gespielt werden. Golferisches Gespür und viel Können ist gefragt. Besonders interessant fanden wir die Bahnen Sechs und Sechzehn. Es sind so genannte „blinde“ Löcher. Ein Par gelingt nur sehr guten Spielern oder denen, die hier häufig spielen. Wer als Gast auf dem Dieppe-Course sein Handicap spielt, darf stolz auf sich sein.

Deutsche Golfer werden in der Normandie besonders gern gesehen, man freut sich auf sie. „Die Engländer sind überzahlreich“, brachte es der Präsident eines Golfclubs auf den Punkt, „und wer keinen Franzosen treffen will, der sollte hier auf einen Golfplatz gehen.“ Und so ist es tatsächlich.
Die großen Hotels sollte man meiden. Sie sind nicht typisch für die Normandie und  kosten viel Geld. In ehemaligen Guts- oder Landgasthäusern dagegen lernt man das „Savoir Vivre“ kennen. Da ist es erstens viel billiger, und die einheimischen Gerichte und Weine schmecken auch gut.
Wer in der Normandie ist, darf sich den Genuss der normannischen Austern nicht entgehen lassen. Sie schmecken so gut wie nirgendwo sonst. Die besten der ganzen Region aßen wir in der Nähe des Golfplatzes in Pourville direkt am Meer. Sie zergingen uns auf der Zunge.

Am zweiten Tag waren wir im Golf Club de Saint-Saens. Der Platz liegt nahe bei Forges les Eaux, das ist der Ort, den man das "Las Vegas Frankreichs“ nennt. Wir wohnten im Hotel Continental de Casino und erlebten hautnah, warum dieser Ort im Volksmund so heißt. In kurzen Abständen fliegen private Hubschrauberpiloten illustre Gäste die ganze Nacht hindurch aus Paris ein, um sie im exklusiven Casino spielen zu lassen. Sie zocken, speisen im allerfeinsten Ambiente, amüsieren sich und schweben am frühen Morgen reicher oder ärmer zurück nach Paris.
Früher war Forges les Eaux ein Ort der Heilquellen. Reiche Männer badeten für ihre Männlichkeit. Vornehme Damen der feinen Pariser Gesellschaft erhofften sich Fruchtbarkeit. Heute ist Heilbaden hier eine Nebensache. Wo früher das Kurhaus stand, gibt es jetzt den Club Mediteranee und nebenan steht das moderne Casino. Seine prominenten Gäste beherrschen die hübsche kleine Stadt. Man sollte hinfahren und es sich ansehen. Es macht Spaß, einmal dabei gewesen zu sein.

Der Platz des Golf Club de St-Saens hat eine ganz außergewöhnliche Geographie und ist sehr sorgsam gepflegt. Die ersten fünf Bahnen spielt man im Park des Schlosses. Die Bäche und die großen Teiche scheinen so erhalten, wie der Graf sie einst bauen ließ. Die Vier ist ein Leckerbissen für Taktiker. Wer sich hier ein Par aufschreiben darf, der kann Golf spielen. Die Fairways Sechs bis Elf führen durch enge Wälder fast nur bergauf. Wer keine besonders gute Kondition hat, wird Schwierigkeiten bekommen. Nach drei einfachen Bahnen auf freiem Gelände führt der Parcours durch  enge Waldschneisen zurück zu den Clubräumen im Schloss. Hier lassen dann das herrliche Ambiente und ein gutes Glas Wein selbst schlechteste Scores vergessen. Im Saint-Saens Golfhotel wohnt man wie Gott in Frankreich. Ich freue mich schon jetzt auf unseren nächsten Urlaub.

Unsere dritte Station war die heimliche Hauptstadt der Normandie, die Residenzstadt Rouen. Hier starb die Jungfrau von Orleans, hier steht eines der prachtvollsten sakralen Bauwerke Frankreichs, die gotische Kathedrale Notre-Dame, und hier kann man in der ältesten Auberge Frankreichs, im La Couronne von 1345, vorzüglich speisen. Rouen ist einen Besuch wert.
In dieser geschichtsträchtigen Gegend spielten wir den vielleicht schönsten Parcours unserer Reise, den Platz des Golf Club de Rouen in Mont–Saint-Aignan. Eine schönere Golfanlage kann es kaum geben. Schon das Clubhaus empfängt seine Gäste mit so viel französischem Charme, dass man erahnt, was der Platz bieten wird. Wenige Tage vor unserem Besuch wurden hier die nationalen französischen Damen-Meisterschaften ausgetragen. Die französischen Golferinnen wissen, was gut ist. Der Platz ist schwer zu spielen und verlangt jedem Golfer das Höchste seines Könnens ab. Mal muss man taktisch und raffiniert, mal ruhig und überlegt, und mal wagemutig und verhalten spielen. Wer nur mittelmäßig Golf spielen kann, kommt nicht annähernd mit seinem Handicap ins Clubhaus zurück. Wir blieben zwar alle auch weit unter unseren Möglichkeiten, waren uns aber einig, der Golf Club de Rouen war ein golferischer Höhepunkt.

Zum Abschluss unserer Golfreise waren wir noch auf dem spektakulären Golfclub d´Etretat.  An der Alabasterküste genau dort, wo sich die höchsten Felsformationen dieses bekannten Küstenabschnittes befinden, liegt der Golfclub d´Etretat. Er wurde auf Initiative von britischen Golfern schon 1908 gegründet und bietet einen ganz außergewöhnlichen Platz hoch oben über den weißen Klippen, die die Gegend zur zauberhaften Kulisse werden lassen. Eine Szenerie mit abgrundtiefen Blicken ins Meer. Der Wind vom Wasser her macht das Spiel manchmal schwierig. Diese Herausforderung sollte Sie aber nicht davon abhalten, die einmalige Umgebung mit vielen unerhörten Reizen zu genießen. Trotz vieler Demütigungen wird niemand die Anlage verlassen, ohne das glückliche Empfinden zu haben, einen großen Platz gespielt zu haben.

Golfen in Frankreich macht Spaß und ist fast immer auch eine Bildungsreise mit vielen lukullischen Höhepunkten.
Vive la France!



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