Die munteren Schwalben von Svaneke auf Bornholm


Mit der Fähre kann man von Rügen oder von Ystad in Südschweden nach Bornholm schippern

Ein Erlebnisbericht von Susanne Everding

Svaneke ist die schönste Kleinstadt Dänemarks. Svaneke erwacht nur bedächtig und mit wohltuender Gelassenheit. Wenn die ersten ernsthaften Sonnenstrahlen in den frühen Morgenstunden die Kaimauer des kleinen Fischerhafens erwärmen, dann liegt eine unvergleichliche Behaglichkeit über der ruhigen See und auf dem kleinen Städtchen im Nordosten Bornholms. Doch plötzlich, wie aus dem Nichts, sind sie da und schwärmen aus. Die Rede ist von den munteren Schwalben, die mit tollkühner Flugakrobatik die Augen auf sich ziehen und plötzlich so rasch wieder verschwinden wie sie aufgetaucht sind.

Aber nur für einen kleinen Moment. Denn die flinken Segler bauen in den Mauerritzen der Schiffsanleger ihre Nester für den hoffnungsvollen Nachwuchs und Sekunden später fliegen die Insektenjäger in scheinbarem Übermut wieder waghalsig über der Wasseroberfläche.

Auch Yvonne schaut aufmerksam zu. Der gute Geist mit angeborenem französischem Charme aus dem Restaurant des Hotels Siemsens Gaard direkt an der Mole, muss sich aber schnell wieder der Arbeit zuwenden, allerdings nicht ohne der Szenerie ein strahlendes Lächeln zu schenken. „Willkommen in Svaneke“, sagt sie freundlich – und man merkt ihr an, dass sie es auch wirklich meint. Dass die Menschen mit zugewandter Geste ihrer Lebensfreude Ausdruck verleihen, wird uns noch einige Male auf der wunderschönen Insel Bornholm passieren.
Aber immer ganz sutche, also locker und entspannt.

Im Hafen legt der erste Segler an, klemmt sich durch die kleine Lücke und findet nach einigem Hin und Her seinen Liegeplatz. Kapitän und Matrosen klettern von Bord, packen ihre Fahrräder aus. Abenteuerlust hat sie gepackt – nicht unter Segeln, sondern jetzt im Sattel. Wir hängen uns dran. Doch schon nach nur wenigen Pedaltritten der erste Stopp. Direkt am Svaneker Marktplatz lockt eine Bonbon-Manufaktur mit dem schönen Namen Svaneke Bolcher. Die Kinder drücken sich die Nasen platt, wenn die dicken Schichten von Zuckerwerk gerollt und geknetet werden. Am Ende kommen kleine süße Edelstücke heraus.

Bevor es weitergeht schon der nächste Halt. Ein Glasbläser lässt die nur wenige Schritte entfernt stehenden Zuschauer staunen. Wunderschön gestaltete Individualitäten, echt svanekesch. Glasbläser Sven versteht sein Handwerk. Der Besuch der Brauerei Svaneke Bryghus lockt ebenfalls, doch für ein kleines Gläschen ist es noch zu früh. Seit dem Jahr 2000 gibt es diese Destille, eine von Dänemarks ersten Mikrobrauereien.

Mächtig in die Pedale treten wir auf dem Weg zu einer ganz anders gelagerten Destination: Die Kirche von Oesterlars lockt. Die Besonderheit: Sie ist rund gebaut und hinterlässt mächtig Eindruck bei der munteren Schar von Kindern, die sich auch auf den Weg gemacht hat.
Die um das Jahr 1150 gebaute Osterlars Kirke ist eine der vier Rundkirchen auf Bornholm und lässt sich gut per Rad über das kleine Städtchen Gudhjem erreichen. Wer genau hinschaut, der erkennt die vielen kleinen Mauerlöcher im Turm der ehemaligen Wehrkirche. Von dort aus sollen einst die ersten Berechnungen von Seefahrtswegen in die Ferne erfolgt sein. Wer weiß? Wer weiß auch, was sich unter der Kirche befindet? Sonarmessungen haben Hinweise auf einen großen Raum gegeben. Doch der Kirchenrat untersagt bisher alle weiteren Untersuchungen. Es gibt Spekulationen, dass sich dort der verlorene Schatz der Tempelritter befindet…

Raus aus der Kirche, hin zu den Gestaden. Nach einer geraumen Zeit liegt uns der Strand von Dueodde zu Füßen. Acht Kilometer lang schmiegt sich feinster Pulversand um die Südspitze von Bornholm. Kein Stückchen Plastik findet sich, alles ist so wunderbar. Vor uns die See, hinter uns die knorrigen Kiefern. Und Hochhäuser oder gar Touristenburgen finden sich hier nicht, und auf ganz Bornholm sucht man sie auch vergebens. Eher Sammler, die ein klein wenig Sand für Eieruhren mitnehmen.

Nun geht es zurück auf unseren Drahteseln und nach einer kleinen Rast auf der fein herausgeputzten Terrasse unseres Hotels fahren wir noch einmal mit dem Auto in die Fischräucherei von Hasle auf der anderen Seite der Insel. Dort schmeckt der geräucherte Bornholmer Hering am saftigsten und der Koch Lasse serviert ihn so frisch wie ihn das Meer hergibt. Draußen lockt ein Garten mit vielen Tischen, an dem die Radler und Ausflügler sitzen, wo sie die Seele baumeln lassen und weitere Leckereien genießen können.

So schnell vergeht ein Tag auf Bornholm. Voller neuer Eindrücke lehnen wir uns  zurück, sitzen mit einem Gläschen Weißwein auf der Kaimauer im Svaneker Hafen, freuen uns auf morgen – schauen den langsam der Nachtruhe entgegen fliegenden Schwalben hinterher.  Und oben an der Straße winkt uns Yvonne zu - und lacht.

 

 



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