Rudi Carrell im Golf Club Syke bei Bremen


Abschlag auf der langen Bahn 4 in Syke

Rolf Everding zu Gast beim Showmaster im April 2005

Rudi Carrell hat in 50 Jahren Entertainment Fernsehgeschichte geschrieben. Er legte die Grundlagen deutscher Gag-Kultur und produzierte mehr als 30 Sendungen im Jahr. Er wusste von seiner Krankheit seit langer Zeit. Bis zuletzt vermittelte er das Gefühl der Freude und Dankbarkeit für das Leben, für die Schönheiten der Natur und für seinen Beruf.

Im April 2005 hatten wir uns auf seinem Heimatplatz in Syke bei Bremen verabredet. Ich wollte sehen, was er golferisch drauf hat, denn immerhin spielte er seit 15 Jahren Golf. Er war einer der Gründer des Syker Golfclubs und bekam die Mitgliedsnummer 7. Er war stolz darauf.

Im Jahr 1989 habe es nach einer Ratssitzung in Syke, erzählte mir Rudi Carrell, ein erstes Gespräch über die Gründung eines Golfclubs gegeben. Nach ersten Versuchen auf einer Driving-Range in Bremen sei er überzeugt gewesen, dass Golf sein Ding werden könne, und so sei es dann auch gekommen. „Als feststand, dass der Platz nur wenige Autominuten von meinem Haus entfernt gebaut werden sollte, war ich Feuer und Flamme.“Irgendwann waren die 18 Löcher fertig, und es konnte losgehen. Schnell aber merkten wir, dass man mit 30 Mitgliedern keinen Golfclub finanzieren kann, lachte Rudi. „Es mussten mehr Leute her. Ein glücklicher Zufall kam uns zu Hilfe“.

In der Bremer Stadthalle hatte Howard Carpendale ein großes Showkonzert. Warum sollten wir unsere Prominenz nicht nutzen, um dem Club zu helfen“, erzählte er weiter. „Ich hatte eine Idee. Nach einigen Telefongesprächen spielten Howard Carpendale und ich am nächsten Tag auf dem Platz in Syke die ersten vier Löcher. Acht Pressefotografen und zwei Fernsehteams begleiteten uns. Dass wir die Bälle auf den neu angelegten Fairways aufgeteet haben um den Rasen zu schonen, hat niemanden gestört. Abends gaben wir in der Abendschau von Radio Bremen auch noch ausgiebige Interviews zum Golfen im Allgemeinen, und zum neu angelegten Golfplatz in Syke ganz speziell. Nicht zu glauben, aber drei Monate später hatte der Golfclub Syke mehr als 300 neue Mitglieder.“

Unser Treffen auf dem Golfplatz in Syke begann mit einem Gag. Rudi Carrell kam mit dem clubeigenen, ulkig formschönen Dreirad-Motor-Caddie um die Ecke. Das Ferrari-Logo mit dem springenden Pferd stand groß hinten drauf. Ob diese Kutsche tatsächlich ein Ferrari war? Ein Carrell-Privileg war sie allemal, denn nur er durfte mit diesem Gefährt auf den Platz. Aber sonst war mit Rudi in Syke alles normal.

Er hatte lange nicht gespielt, zeigte aber schon auf der Eins, einem schweren Par 4, was er drauf hat. „Dies ist mein Horrorloch“, sagte Rudi, „hier habe ich noch nie ein Par gespielt. Ein Bogey ist das Beste, was ich hier je erreicht habe“. Er konzentrierte sich sehr, denn immerhin hatten seine Flightpartner, seine Frau Simone und ich, Handicap 12 und 11. Er legte seinen Ball vor, und war mit dem dritten Schlag auf dem Grün. Ein sicheres Bogey war der Lohn. Simone lag im Wasser und brauchte einen Schlag mehr als ihr Mann.

Die nächsten drei Bahnen spielte Rudi Carrell Bogeys und Doppel-Bogeys. Nach einem Streicher auf der langen Acht – vielleicht fragte ich zu viel - verpasste er auf der Neun nur knapp das Par. Er spielte auf den ersten neun Bahnen 16 Stableford-Punkte. Ein gutes Ergebnis, denn der Platz ist sportlich anspruchsvoll. Dass die Greens gerade an diesem Tag gesandet wurden, war Golferpech, störte aber unsere harmonische Golfrunde nicht.

Mit meinem Handicap 25 komme ich bei Turnieren für eine Bruttowertung natürlich nie in Frage,“ erzählt er bei leckeren Snacks im Halfway-House, „doch einmal habe ich in Bad Griesbach bei einem Promi-Turnier das Erste Netto gewonnen. Der kleine Glaspokal mit Goldgravur steht in meiner Vitrine zwischen 5 Bambis, 3 Goldenen Kameras und dem Bundesverdienstkreuz ganz vorne. Jeder soll diesen Glaskelch sehen, denn der erinnert an meinen größten sportlichen Erfolg in meinem Leben!“

Die zweiten Neun ließen sich recht gut an. Dass Hermann van Veen sein Lieblingspartner beim Golfen war, und dass er mit einer ganz bestimmten Schauspielerin nie wieder spielen würde, erfuhr ich am Rande. „Diese unbegabte hochnäsige Zicke hat nicht Golf gespielt“, empörte er sich, „die hat Golf gequaselt“.

Wir gingen zur 14, zu seiner Lieblingsbahn. Auf diesem 508 Meter langen Par 5 hat er im Laufe der Jahre ein Birdie und mehrere Pars gespielt. An diesem Tag lief es nicht so gut, vielleicht hatte der Gedanke an die zickige Schauspielerin ihn abgelenkt. Sein dritter Schlag landete unglücklich unter der Kante des Green-Bunkers, und da kam er nicht wieder raus. Trotz dieses Missgeschicks spielte Rudi Carrell eine gute Runde. Er verfehlte sein Handicap nur um zwei Punkte. Alle Achtung. Seine Frau und ich konnten nicht mithalten, wir spielten netto sehr viel schlechter als er.

Als ich ihn nach seinem schönsten Golferlebnis fragte, brauchte er nicht lange zu überlegen. „Als ich sechzig wurde, schenkte mir die Deutsche Bank eine Golfrunde mit Ian Woosnam auf Gut Kaden. Obwohl ich doch schon fast alle Weltstars in meinen Shows gehabt hatte, war das anschließende Abendessen mit Ian Woosnam und mit Colin Montgomery im Fischereihafenrestaurant bei Rüdiger Kowalke ein besonderer Höhepunkt in meinem Leben.“

Das einzige Ass in seiner Golfkarriere habe leider niemand gesehen, erzählte er. „Ich spielte ganz allein morgens sehr früh hier in Syke unsere Zwei. 125 Meter als Par 3 sind für mich keine besonders weite Entfernung, aber dass der Ball mit einem Schlag ins Loch rollte, war mir noch nie gelungen.“ Rudi wartete einen Moment. „Das ist so ungefähr das Schlimmste, was einem Golfer passieren kann. Du spielst ein Hole-in-One, und niemand hat es gesehen. Schade, ich habe nie wieder eines gespielt“.

Die südlich vor den Toren Bremens gelegene Par-73-Anlage Syke erstreckt sich über ein leicht hügeliges Gelände. Geschickt platzierte Wasserhindernisse, 43 Bunker und 6.153 Meter Länge sind sorgfältig gewählte Bausteine für einen anspruchsvoll interessanten Golfcourse. Ein Unikat von spröder Eigenwilligkeit mit dem Hang zum Understatement, das so recht in diese urige norddeutsche Landschaft passt. Achtung, die Greens und Fairways sind fast immer abfallend zum Norden gestaltet. Vielleicht eine Hommage an die nahe Hansestadt und an die vielen Mitglieder und Gäste aus Bremen?

Bei ihm zuhause ließen wir es uns nach der Runde gut gehen. Seine Frau Simone ist eine charmante Gastgeberin. Spät verabschiedete ich mich vom Ehepaar Carrell. Mit seiner so herrlich holländisch gefärbten Stimme rief er mir noch nach: "Kommen Sie bald wieder, unser Platz ist so schön, dass wir ihn mal wieder spielen sollten. Ich habe auch noch einige Golfer-Gags für Sie!“

Wir haben uns nicht mehr wieder gesehen. Rudi Carrell starb am 7. Juli 2006 im Alter von 71 Jahren.



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