SUZANNE VON BORSODY


 

Rolf Everding trifft die bekannte Schauspielerin im Detmolder Landestheater

Die Schauspielerin Suzanne von Borsody hat sich der berühmten mexikanischen Malerin Frida Kahlo angenommen und gestaltet auf der Bühne eine ergreifende Hommage an diese ungewöhnlich starke Frau und ein Poesiefestival zugleich. Phantasievoll, vielfarbig und bewegend. 
„Jetzt, wo Du mich verlässt, liebe ich Dich mehr denn je“, ist das Programm überschrieben, das Suzanne von Borsody im Landestheater Detmold vor ausverkauftem Publikum präsentiert. Ein literarisch-musikalisches Bilderbuch aus Tagebucheinträgen, Briefen und Gedichten der Künstlerin Frida Kahlo von und mit Suzanne von Borsody.

Vor der Vorstellung treffen wir uns mit ihr im Foyer. Sie wirkt entspannt, gar nicht so, wie ich mir jemanden vorstelle, der gleich zwei Stunden als Alleindarsteller auf der Bühne stehen muss und unterhalten soll.  „Viel Spaß bei meiner Aufführung und bis auf einen Drink nach der Vorstellung in der Kantine“, verabschiedet sie sich und verschwindet hinter der Bühne.

Die Tochter des Schauspieler Ehepaares Rosemarie Fendel und Hans von Borsody wollte zunächst mit dem Theaterleben ihrer Eltern nichts zu tun haben. Doch kurz nach dem Abitur in München bot man ihr die Rolle einer jungen Schwangeren in dem TV-Film “Adaptionen“ an. Suzanne nahm an, spielte die Rolle mit Bravour, erhielt viel Lob und fing Feuer für die Schauspielerei. Seitdem spielt sie in Film- und Fernsehproduktionen und steht auf deutschsprachigen Bühnen.
Sie ist bekannt für ihre hervorragenden Darstellungen. Obwohl sie nur ganz kurz eine Schauspielschule besuchte, etablierte sie sich schnell als viel beschäftigte Charakterdarstellerin komplexer Figuren, wie eine allein erziehende Mutter oder betrogene Frau, Alkoholikerin oder Staatsanwältin, die zur Mörderin wird. Die Frauen, die von Suzanne von Borsody dargestellt werden, haben nie ein einfaches Schicksal. Ihr Lohn: Adolf-Grimme-Preis, zweimal Goldene Kamera, Deutscher Fernsehpreis, Berliner Theaterpreis und viele Auszeichnungen mehr.

Wir sitzen im Zuschauerraum. Der Vorhang öffnet sich. Die Bühne ist dunkel. Nur vage schimmern die Instrumente des Trios Azul, ein Vibraphon, eine Gitarre, ein Kontrabass. Auf den Bühnenhintergrund wird ein Bild der Malerin Frida Kahlo projiziert. Die Schauspielerin Suzanne von Borsody betritt in einem wunderschönen roten Gewand und mit bunten Stoffblumen im Haar die Bühne und setzt sich auf einen hohen Stuhl hinter einem mit rotem Tuch verhüllten Tisch. Sie beginnt ihren Lesungsabend, der drei Künste miteinander verschmelzen lässt: Das Wort, die Malerei und die Musik. Ein Poesiefestival.
Suzanne von Borsody lässt die große Malerin Frida Kahlo in Ihrer Hommage mit ihrer unverwechselbar sanften und zugleich rauen Stimme zu Wort kommen. „Sie malt mit ihren Worten ein Bild“, sagt sie über ein Gedicht der Malerin. „So wie die Kahlo malte, so schrieb sie auch. Selten schön im Sinne von gefällig, vielmehr im Sinne von erschütternd“. Suzanne von Borsody gibt die intimen Bekenntnisse Kahlos glaubhaft wieder. Ihre Rezitationsweise ist von solcher Lebhaftigkeit, dass die Grenzen zwischen Lesung und Theater verschwimmen. Wie zum Atemholen nach tragischen Passagen, spielen die drei Musiker untergründige mexikanische Melodien. Suzanne von Borsody begeistert das Publikum. Unter lang anhaltendem Applaus verlässt sie die Bühne.

In der Theaterkantine müssen wir lange auf sie warten. „Suzanne braucht eine gewisse Zeit, um ihre Anspannung auf der Bühne abzuschütteln“,  sagt uns ihr Mann Jens Schniedenharn. Er begleitet sie auf vielen ihrer Tourneen und kennt das.
Als Suzanne sich zu uns an den Tisch setzt, wirkt sie erholt. Sie sieht blendend aus, nichts ist zu sehen von der Anstrengung der letzten zwei Stunden. „Zuerst mal ein Bier“, lacht sie uns an. Nachdem wir uns ein wenig angeplaudert haben, erzählt sie uns, dass die heutige Bühne ein ganz hervorragendes Sprechtheater war. Klein, intim, fast ein bisschen gemütlich wie zuhause, mit einem aufgeschlossenen Publikum. „Bis auf die kleine Mischpultpanne am Beginn des Abends ist alles perfekt gelaufen. Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt“, sagt sie.
Nach einem kleinen Imbiss erzählt sie aus Ihrem Leben. Ich erfahre, dass die Schauspielerei ihrer Eltern nicht sehr interessiert hat. Sie wollte nie Schauspielerin werden, sondern Malerin. „Dass ich mit meiner Malerei auch Erfolg gehabt hätte, beweisen meine Ausstellungen in den letzten Jahren und die Illustrationen für einige Kinderbücher. Das Schauspiel ist mein Beruf, die Malerei ist mein Hobby, beides liebe ich gleich viel“.

Immer wieder spielte Suzanne von Borsody auch gemeinsam mit ihrer Mutter Rosemarie Fendel in Fernsehproduktionen. „Das waren willkommene Gelegenheiten, während der Drehpausen endlich mal wieder Zeit miteinander zu verbringen“, schwärmt sie. „Ich bin sehr stolz auf meine Mutter. Das Tollste, was sie mir mal gesagt hat, war der Satz: "Du bist das Beste, was mir in meinem Leben passiert ist". Kann es etwas Schöneres geben, als im erwachsenen Alter so etwas von seiner Mutter zu hören“? fragt sie mich.
Ihre Mutter war bis zuletzt immer noch aktiv. Altersmüdigkeit war ihr unbekannt: Bis zuletzt spielte Rosemarie Fendel große Charakterrollen - etwa in Margarethe von Trottas "Die Schwester“. Sie trat bei Lesungen auf, und Filmprojekte waren auch noch im Gespräch. „Einen Film planten wir zusammen“, verrät mir Suzanne, „es hat nicht mehr geklappt, meine Mutter starb, als sie 85 war.“

Die Begegnung mit Suzanne von Borsody war interessant und kurzweilig, ich habe eine interessante Frau, eine tolle Schauspielerin  kennen gelernt. Vielleicht treffen wir uns mal wieder.
 



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